Ein Jahr vor Kriegsausbruch geboren, konnte ich in Friedenszeiten mein Abitur machen und anschließend an den Universitäten Marburg, Münster, Dortmund und als Fulbright-Stipendiat in den USA (Lawrence University, Appleton, Wis.) studieren. Ich unterrichtete als German assistant an der Latymer School im Londoner Norden und war mehrere Jahre Studienrat am Gymnasium Gevelsberg, bevor ich an die im Aufbau begriffene Gesamtschule Kamen ging.
Angeregt von C.J. Dodson ("How I changed my mind..."), begann ich an einer Theorie von der Muttersprache als Bündnispartner der Fremdsprache zu arbeiten (Aufgeklärte Einsprachigkeit), und konnte sie in der Gesamtschule mit vier parallel geführten Anfangsklassen erproben. Was damals revolutionär war, ist heute in der Theorie entschieden: Keine Fremdsprache ist lernbar, ohne an das in der Erstsprache aktivierte Grammatik- und Weltverständnis anzuknüpfen. Wer Fremdsprachen lehrt, sollte deshalb auch etwas davon verstehen, wie Kinder ihre Muttersprache erwerben oder zweisprachig aufwachsen - ohne Unterricht.
Ich bemühe mich somit um eine integrierte Spracherwerbstheorie, die alle Sprachlernsituationen umfasst. Bruchstücke dieser Theorie, angereichert mit Beispielen aus dem natürlichen und dem schulischen Spracherwerb, enthält meine Psycholinguistik des Fremdsprachenunterrichts. Ich konnte sie in Vorträgen und Seminaren in Europa, den USA, Australien und China zur Diskussion stellen.
Neben dem Verhältnis von Muttersprache, Zweitsprache und Fremdsprache, das mein Hauptthema blieb, entwickelte ich sprachbiologische und -philosophische Interessen, die in Wie Kinder sprechen lernen. Kindliche Entwicklung und die Sprachlichkeit des Menschen deutlich hervortreten. Es ist das Buch, das zu schreiben mir am meisten Freude gemacht hat: zu zeigen, wie Natur in noch unverständigen Kindern den Willen und die Fähigkeiten zur Sprache angelegt und den Eltern Liebe und Verstand gegeben hat, ihnen ihre Sprache mitzuteilen. Nur der Mensch kann den Menschen verständig machen. Am Anfang der Sprache steht das Einverständnis zwischen den Menschen, das gleichwohl immer wieder hergestellt werden muss. Dass man für die Welt hoffen darf, ist hier begründet.
In einem aus Bundesmitteln finanzierten Forschungsprojekt - gemeinsam mit Jörg Siebold (Rostock) und Friederike Klippel (München) - konnten wir erstmalig zentrale mündliche Unterrichtstechniken auf einer DVD präsentieren und samt Begleitbuch für Lehrer und Ausbilder verschiedener Schulformen verfügbar machen: Jörg Siebold (Hrsg.) Let's talk: Lehrtechniken. Vom gebundenen zum freien Sprechen. Berlin: Cornelsen, 2004
Eine Fortführung meiner Psycholinguistik ist Lust zum Lehren, Lust zum Lernen. Eine neue Methodik für den Fremdsprachenunterricht. Ich versuche, etwas davon mitzuteilen, wie lustvoll es sein kann, Sprachen zu lehren und lernen, wenn man es richtig angeht und das in uns hineingedachte Vermögen zur Sprache zu wecken versteht.
Der Lehrer ist unsere Chance. Wie Schüler ihren Fremdsprachenunterricht erleben basiert auf über viele Jahre hin gesammelten Praktikumsberichten und autobiographischen Aufsätzen Aachener Anglistik-Studenten und zeichnet ein ungeschminktes Bild deutscher Schulwirklichkeit. Der liebe Gott weiss alles, nur nicht, was hinter verschlossenen Klassenzimmertüren vor sich geht, aber dieses Buch schafft Abhilfe!
Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen der Fremdsprachendidaktik, die mich anlässlich meines 60. Geburtstages zu einem Symposion nach Wittenberg eingeladen haben, siehe Gisela Hermann-Brennecke & Wilhelm Geisler (Hrsg.), Zur Theorie der Praxis und Praxis der Theorie des Fremdsprachenerwerbs. Münster: LIT, 1998). Herzlichen Dank auch an die Aachener Anglistik, die mich so großzügig und freundlich verabschiedet hat, siehe Ludwig Deringer (Hrsg.), Innovative Fremdsprachendidaktik. Kolloquium zu Ehren von Wolfgang Butzkamm. Frankfurt: Peter Lang, 2004.
Ich habe auch als Hochschullehrer den Kontakt mit der Praxis nie verloren und bilinguale Lehrtechniken an einer Reihe von Schulen und Schulformen vorführen können. Ich bin weiterhin bereit, gerade die in der Praxis noch wenig bekannten hocheffektiven zweisprachigen Arbeitsformen mit Schulklassen zu erproben und auf diese Weise Lehrerfortbildung "vor Ort" zu betreiben.